Sölls Hof: Chia wächst auch auf der Alb

03.07.2026
Vier Saaten von Sölls Hof, Schwäbische Alb

Wenige Minuten vom Blautopf entfernt, im Blaubeurer Ortsteil Sonderbuch, bewirtschaftet die Familie Söll seit vier Generationen ihre Felder auf der Schwäbischen Alb. Johannes Söll führt den Hof heute als Landwirt und Ölmüller – und hat ihm eine ungewöhnliche Richtung gegeben.

Chia und Quinoa gelten als Ware aus Übersee: gewachsen in Südamerika, verschifft um die halbe Welt. Söll stellt dem eine einfache Leitfrage entgegen: Wieso importieren, was auch in der Nähe wächst? Seit 2019 hat sich der Hof auf Ölsaaten spezialisiert – Raps, Lein, Hanf, Senf, Mohn und eben Chia. 2021 kam die eigene Ölmühle dazu, in der die Saaten kaltgepresst, gereinigt und verpackt werden. Rund 90 Prozent der verarbeiteten Ware stammt von den eigenen Feldern, der Rest von befreundeten Landwirten aus der Region.

Chia, Hanf und Quinoa wachsen hier ohne Pflanzenschutzmittel und ohne mineralische Dünger; Unkraut wird mechanisch reguliert. Die blühenden Felder ziehen Bienen und andere Insekten an, die Vielfalt der Kulturen fördert die Artenvielfalt. Verwertet wird ganzheitlich: Was bei Ernte und Pressung übrig bleibt, wird Tierfutter oder Dünger.

Mit diesem Konzept gehört Söll zu den Pionieren: 2024 baute er elf Hektar Chia an – als einer von nur rund 30 bis 40 Landwirten in ganz Deutschland – und stand beim CERES-Award der Fachzeitschrift „agrarheute" im Finale der besten Ackerbauern.

Für die Küche heißt das: Saaten mit klarer Herkunft, frisch vom Hof, über kurze Wege – geerntet auf der Alb statt verschifft über den Ozean.

Saaten entdecken

Quellenverzeichnis: 

Bas Kast (Der Ernährungskompass) 

  • Harvard University – Langzeitstudie zu Fettsäuren und Sterblichkeitsrisiko: Kast bezieht sich auf eine Untersuchung an über 126.000 Menschen über 32 Jahre. Diese Studie belegt das im Newsletter erwähnte "Butter-Paradoxon": Wer Kohlenhydrate oder gesättigte Fette (wie in Butter) durch pflanzliche, ungesättigte Fette ersetzt, senkt sein allgemeines Sterblichkeitsrisiko signifikant. 
  • Harvard University – Studie zu Schlankmachern: Eine weitere große Auswertung aus Harvard offenbarte, dass der Verzehr von Nüssen, obwohl sie kalorienreich sind, überraschenderweise vor Übergewicht schützt. Je mehr Nüsse die Probanden aßen, desto geringer fiel ihre Gewichtszunahme aus. Nüsse sind demnach stark mit einem flacheren Bauch assoziiert. 
  • Forschungen zum „Eiweiß-Effekt“ (Stephen Simpson & David Raubenheimer): Kast stützt sich auf die bahnbrechenden Experimente dieser Forscher (u.a. in Oxford und im Schweizer Chalet durchgeführt). Sie beweisen, dass unser Körper auf die Zufuhr von Proteinen programmiert ist. Kleine Proteinbomben wie Nüsse stillen diesen spezifischen Hunger enorm schnell und bewahren uns davor, uns unbewusst mit kohlenhydratreichem Essen zu überfressen. 
  • PREDIMED-Studie (Spanien) zum Herz-Kreislauf-System: Kast zitiert dieses groß angelegte Experiment mit rund 7.500 Teilnehmern, das gezeigt hat, dass eine fettreiche Ernährung – gezielt ergänzt mit einer täglichen Ration Nüssen (Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln) – vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt und das Schlaganfallrisiko drastisch senkt. 

 

Prof. Dr. Andreas Michalsen (Ernährung. Meine Quintessenz) 

  • UK Biobank Studie – Nüsse als „Mood Food“ (Depressionsrisiko): Prof. Michalsen zitiert eine Datenanalyse der UK Biobank, bei der zwischen 2007 und 2020 rund 13.000 Menschen untersucht wurden. Das Ergebnis zeigte deutlich: Der tägliche Verzehr von etwa 30 Gramm Nüssen reduziert das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um 17 Prozent. 
  • Forschungen der Universität Graz zu Spermidin und Autophagie (Frank Madeo & Tobias Eisenberg): Michalsen führt die molekularbiologischen Studien aus Graz an, die Spermidin als echtes "Fasten-Mimetikum" (eine Substanz, die Fasteneffekte imitiert) identifizierten. Da Nüsse gute Quellen für Spermidin sind, kurbeln sie die Autophagie – das lebensverlängernde, zelluläre Selbstreinigungsprogramm des Körpers – an. 
  • Mikrobiom-Forschung zu Ballaststoffen und kurzkettigen Fettsäuren: Michalsen verweist auf den breiten Konsens der modernen Forschung zum Mikrobiom. Die unverdaulichen Ballaststoffe in Nüssen dienen den guten Darmbakterien als Futter. Aus ihnen produzieren die Bakterien kurzkettige Fettsäuren (wie Buttersäure), die Entzündungen hemmen, die Darmbarriere stärken und indirekt über das Hormon GLP-1 stark sättigend wirken. 
  • Kalorienverwertung von Nüssen (u.a. Studien der Arizona State University & Weizmann-Institut): Michalsen erklärt das Phänomen, dass beim Verzehr von Nüssen gar nicht das gesamte Fett vom Körper aufgenommen wird. Durch die Ballaststoffgerüste landet ein messbarer Teil der Nuss-Kalorien unverdaut in der Toilette, weshalb diese Fettsäuren nicht als Hüftspeck enden können. 
  • PREDIMED-Studie (Spanien): Auch Prof. Michalsen zieht diesen Meilenstein der Ernährungsforschung (die Predimed-Studie mit über 7.000 Teilnehmern) heran, um zu untermauern, dass Nüsse und Olivenöl als gesunde Fette das Risiko für schwere Herzinfarkte und Schlaganfälle um 30 Prozent verringern können.